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Deutschlands Glücksspielproblem

Der Gesetzgeber beginnt zu erkennen, dass sich seine Wetten auf strengere Spielregeln möglicherweise nicht auszahlen. Wenn die Spielautomaten schließen, wenden sich die Spieler zunehmend grauen Märkten oder illegalen Websites zu.

Apropos Doppelmoral. Online-Glücksspiele sind in Deutschland illegal und Hunderte von Spielautomatenhallen wurden seit dem Inkrafttreten strengerer Regeln im vergangenen Sommer geschlossen. Aber das staatliche Lotteriemonopol ist nach wie vor intakt und generiert jährlich 1,2 Milliarden Euro (1,5 Milliarden Dollar) an Steuern und 1,6 Milliarden Euro an Spenden. Der Staat verdient auch kräftig an Einnahmen aus großen Casinos, den klassischen Spielbanken, die Roulette und Poker anbieten und die noch legal sind.

Aus Spielhallen werden Online Casinos

Auf der ganzen Welt verlagert sich das Glücksspiel online, von dunkel verglasten Zwielichtspelunken hin zu den PCs, Tablets und Smartphones, wo Sportwetten und virtuelle Pokertische nur einen Klick entfernt sind. Beste mobile Casinos in Deutschland kristallisieren sich bereits heraus. Aus nachfolgend genannten Regulierungsproblemen ist es ratsam sich ein Casino zu suchen, dass das Geld auch wirklich auszahlt – denn deutsche Gerichte sind im Zweifel keine Hilfe. Die weltweiten Glücksspieleinnahmen sind von 15 Milliarden Euro im Jahr 2006 auf rund 40 Milliarden Euro gestiegen. Viele Länder haben den Wandel erkannt und sich daran angepasst. Online-Unternehmen machen inzwischen etwa ein Drittel der Glücksspielmärkte in Großbritannien und Dänemark aus. Sie sind lizenziert und besteuert und legal.

Bürokratie lähmt die Problemlösung

In Deutschland hingegen ist der Markt durch Bürokratie und regionale Inkonsistenzen gekennzeichnet, nicht nur durch die Regeln für Glücksspiele, sondern auch dadurch, wie streng diese Regeln durchgesetzt werden. Und obwohl Online-Glücksspiele formal laut deutschem Gesetzgeber gar nicht erlaubt sind, hindert das die Spieler nicht daran, sich auf Websites in Malta, Gibraltar oder der Karibik zu registrieren oder auch den halblegalen Weg zu gehen – ebenfalls seriöse Casinos mit Schleswig-Holstein-Lizenzen zu nutzen, die von deutschen Behörden weitgehend toleriert werden. Man will es sich ja schließlich auch nicht mit dem schönen Bundesland Schleswig-Holstein verscherzen.

Ich reguliere, du regulierst, er tut nichts

Der Inlandsmarkt wird durch diese regulatorische Vorhölle zerstört, sagte Christopher Röhricht, Marketingleiter bei Löwen Entertainment, das Spielautomaten herstellt und 450 Spielhallen betreibt. "Den Spielern ist es egal. Sie werden einfach illegal", sagte er.

Der regulierte, legale Glücksspielmarkt in Deutschland generiert nach Berechnungen des Forschungsinstituts Handelsblatt rund 35 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Das ist mehr als doppelt so viel wie der Inlandsumsatz der Pharmaindustrie. Sie zahlt mehr als 5 Milliarden Euro an Steuern und beschäftigt fast 200.000 Menschen. Der Graumarkt der deutschen Spieler, die Websites nutzen, die von anderen EU-Ländern lizenziert sind, nimmt jährlich 2,3 Milliarden Euro ein. Der Schwarzmarkt wird auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt - und auch er wächst.

Die Branche wurde durch ein neues Regelwerk zur Bekämpfung der Spielsucht in ein schleichendes Chaos gestürzt. Sie wurden 2012 von den 16 Staaten des Landes vereinbart und traten im vergangenen Jahr in Kraft und verlangen unter anderem einen Mindestabstand zwischen Spielhallen und Schulen.

Sinnvolle Spielregeln?

Das Gesetz sei ungerecht, sagte Beate Mai, 67, eine Leipziger Unternehmerin, die sechs ihrer acht Spielhallen schließen musste. "Wir zahlen Steuern, wir bieten normale Arbeitsverträge an, aber wir sind mit Drogen und Prostitution auf Augenhöhe", beschwerte sie sich.

Es ist im ganzen Land die gleiche Geschichte. Hunderte von Spielhallen wurden gezwungen, zu schließen. Die Spieler sind entweder online gegangen oder besuchen ungeregelte "Cafés" und Dönerläden mit Spielautomaten. Im Berliner Stadtteil Neukölln gibt es solche Einrichtungen wie Sand am Meer. Sie werden keine frische Tasse Kaffee finden, aber Sie werden andere Möglichkeiten finden, Ihr Geld auszugeben. Sie sind illegal, aber Berlin hat keine personellen Kapazitäten, um sie zu untersuchen und zu schließen.

Das grenzt an bösartigen Sarkasmus

Das nördliche Niedersachsen entschied sich für eine ironische Methode, um zu entscheiden, welche Spielhallen geschlossen werden müssen und welche offen bleiben dürfen: eine Lotterie. Es wurde einfach ausgelost - nicht etwa aufgrund von Verbraucherschutzgründen entschieden.

Langsam erkennt der deutsche Gesetzgeber, dass sich etwas ändern muss. Die Regionalregierungen fordern neue Regeln für die gesamte Branche und planen Änderungen auf einem Treffen im Sommer zu diskutieren. Die regierende Koalition von Konservativen und Grünen in Hessen sagte, 98 Prozent des Online-Glücksspiels seien illegal und unrealistische Regeln, "die das Glücksspielverhalten der Menschen ignoriert haben".

Der Politik ist bewusst, dass es so nicht geht

Privat geben die Politiker zu, dass das Lotteriemonopol der Regierung nur überleben kann, wenn auch alle anderen Formen des Glücksspiels geregelt sind. Sie erkennen an, dass es nicht möglich sein wird, die Sucht zu bekämpfen, wenn sich die Spieler an alternative Verkaufsstellen wenden können. Kein Wunder, dass die Zahl der Süchtigen seit Jahren unverändert geblieben ist; verschiedene Studien schätzen die Rate auf 0,5 bis 1,2 Prozent der Deutschen.

Spielsucht bleibt ein Problem

Die Spieleindustrie behauptet gerne, dass Alkohol und Zigaretten weitaus süchtig machender sind als Wetten. Aber es ist eine Tatsache, dass Glücksspiele Leben zerstören können. "Die Industrie spielt die Bedrohung herunter", sagt Gerhard Meyer, der an der Universität Bremen Sucht erforscht. "Und Spielautomaten stellen das größte Risiko unter allen Formen des Glücksspiels dar."

In Hessen, dem ersten Land, das ein persönliches Glücksspiel-Verbot einführte, wurden innerhalb von 19 Monaten rund 12.000 Spieler gesperrt, fast alle freiwillig. "Nur 1 Prozent der Anträge auf ein Verbot kamen aus den Spielhallen", sagte Herr Meyer.

Der Direktor des Verbandes der deutschen Spielautomatenindustrie, Georg Stecker, hat eine Vision von der "Spielhalle der Zukunft" mit offizieller Zertifizierung, biometrischen Kontrollen an der Tür und geschultem Personal. "Wir wollen eine umfassende Regelung, die das gesamte Spektrum des Glücksspiels abdeckt, ausdrücklich auch für Spielautomaten", sagte er.

Novoline und Merkur

Es ist kein völlig selbstloser Vorschlag. Die drei großen Spielautomatenhersteller - Novomatic in Österreich und Bally-Wulff und Gauselmann in Deutschland - haben alle Online-Gaming-Pläne und würden von der Regulierung profitieren – momentan haben sich diese Anbieter im Übrigen weitestgehend aus dem Online-Geschäft zurückgezogen.

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